ZAR und ZIMMERMANN von Albert Lortzing
Nach der Oper REGINA heben wir mit der Spieloper Zar und Zimmermann ein zweites Werk Lortzings in das Programm.
Wie in allen Opern von ihm stammen sowohl der Text (nach Georg Christian Römers 'Der Bürgermeister von Sardam' oder 'Die zwei Peter') und die Musik von Lortzing. Er hatte ein feines Gespür für die Themen , die seine Zuschauer, das bürgerliche Publikum des 19. Jahrhunderts, interessierten und so macht er aus dem Stoff eine Komödie, die aber besonders das Verhältnis von Regierenden und Regierten beleuchtet. Dabei findet man in der Person des Bürgermeisters von Saardam ( Ort der Handlung) ein Musterbeispiel von einem Politiker, der seine profunde Unkenntnis in Sachfragen durch eine gewaltige Selbstüberschätzung ausgleicht und somit das glänzende Vorbild für so manchen Volksvertreter und Wirtschaftmagnaten unserer Tage liefert. Wir sehen das Stück ist hochaktuell.
Hintergrund der Geschichte ist die historisch erhärtete Tatsache, das Zar Peter, der Erste sich als Zimmermann in Saardam verdingte und sein Inkognito durch die Ungeschicklichkeit des Bürgermeisters gefährdet sah und dann seine Ausbildung bei der ostindischen Kompanie in Amsterdam fortführte.
Das schrieb die Presse:
VON SANDRA HEINZELBECKER
Burgtheaterchef Peter Schauerte-Lüke hat die Oper „Zar und Zimmermann“ für sein
Papiertheater inszeniert. Foto: Martin Kempner
Solingen (RP) Es ist eine komische Oper, in der nichts fehlt. Es geht um Liebe und Freundschaft, um Loyalität und Ehre und um jede Menge Verwechslungen. Mit Albert Lortzings „Zar und Zimmermann“ hat sich Peter Schauerte-Lüke mit seinem Burgtheater an eine Oper gewagt, bei der, wie er selbst sagt, „eigentlich nicht viel passiert“.
Normalerweise lebt das Papiertheater von viel Aktionen und Bewegung, „sonst wird es todlangweilig“, so der Intendant. Doch langweilig will einem während der gesamten Aufführung nicht einen Augenblick werden. Das liegt zum einen an den wunderbar komischen Texten. Albert Lortzing war einer der wenigen, die ihre Libretti zu den Kompositionen selbst verfassten. Zum anderen liegt es an Peter Schauerte-Lükes großartiger Umsetzung des Stoffes.
Er lässt den Zaren von Russland, der unter dem Namen Peter Michaelow in Holland als Zimmermann lernt, Schiffe zu bauen, souverän seine Pläne verfolgen, zeigt den Zwiespalt des Deserteurs Peter Iwanow, der ebenfalls als Zimmermann sein Geld verdient und sich in die schöne und kluge Marie, die Nichte des dusseligen Bürgermeisters van Bett, verliebt.
Mit Witz und Freude gespielt
Der unglaublich von sich selbst überzeugte Bürgermeister van Bett bietet natürlich eine Paraderolle für Schauerte-Lüke, die dieser mit so viel Witz und Freude ausfüllt, dass es das Publikum kaum auf den Sitzen hielt. Mit weißer Adelsperücke stolzierte er auf und ab, schmetterte das Selbstlob des aufgeblasenen Bürgermeisters: „Ich bin ein zweiter Salomo.“
Doch auch den übrigen Protagonisten versteht Schauerte-Lüke mit seiner unverwechselbaren Art Leben einzuhauchen. Bei der bekannten „Chorprobe“ nimmt er das Publikum kurzerhand in die Reihen des Chors mit auf. Unterstützung für die Arien der Marie holte sich der Intendant von der Sopranistin Melanie Spitau, die Klavierbegleitung übernahm Lin Lin. In den Chorstücken ist neben Schauerte-Lüke Veronika Madler zu hören.
„Zar und Zimmermann“ ist nicht die erste Oper von Albert Lortzing, die im Burgtheater zu sehen ist. Bereits mit der unbekannten „Regina“, einer Freiheitsoper, befasste sich Peter Schauerte-Lüke mit dem Komponisten. „Wenn man sich eine Oper vornimmt, meint man, man steht vor einem riesigen Berg“, berichtet der Intendant. Die Texte von „Zar und Zimmermann“ habe er lange überarbeitet und gekürzt, um dann doch zu Lortzings Originaltexten zurückzukehren. „Sie sind lediglich ein wenig gekürzt.“
Damit ist dem Burgtheater eine abwechslungsreiche Mischung aus Arien und Sprache gelungen und die Freude, mit der Schauerte-Lüke die Oper spielte, übertrug sich sehr aufs Publikum. Auch das Bühnenbild bewies einmal mehr, wie viel Atmosphäre sich mit Papier zaubern lässt.
Nächste Vorstellung am 25. Oktober, 19 Uhr: „Der Freischütz“. „Zar und Zimmermann“ ist am 2. November zu sehen. Siehe auch Spielplan
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