Bekannt als kulturelles Kleinod
spielt unter anderem in Museen und Theatern
kommt auch zu Ihnen nach Hause
bietet Workshops für alle Altersklassen

Die Jungfrau von Orleans. Schauspiel von Friedrich Schiller

Kurzinformation

Schillers "Jungfrau" als nationale Symbolfigur zeigt uns heute, wie der Begriff "Nationalgefühl", der später so furchtbar mißbraucht wurde, im frühen 19. Jahrhundert auch gedacht wurde. Die Tragödie um eine nationale Symbolfigur eignet sich besonders gut, um in weiterführenden Schulen den Unterricht in Deutsch und Geschichte zu ergänzen.

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Die Jungfrau von Orleans

Besetzungszettel der Erstaufführung
Schillers "Jungfrau", die Erstaufführung

Schillers romantische Tragödie hält sich nicht an die historische Wahrheit. Der Grund ist einfach. Deutschland war zur Entstehung des Stücks noch kein einiger Staat, sondern ein Konglomerat von Fürstentümern, die seit dem Mittelalter unter der Bezeichnung "Römisches Reich deutscher Nation" von  Kaisern regiert worden waren und deren Reich manchmal bis Süditalien reichte. Dieses System verhinderte, das ein deutsches Nationalgefühl aufkam. Die Uraufführung fand 1801 in Weimar statt. Dei französische Revolution hatte die erstarrten Systeme in Europa in Bewegung gebracht. Das wollte Schiller mit Der "Jungfrau" beflügeln. Ist doch Jeanne d'Arc das nationale Symbol Frankreichs. 

Die Jungfrau als Blaupause....

Krönung zu Reims
Die Jungfrau von Orleans krünt den König

Schiller benutzte die Jungfrau sozusagen als Blaupause für ein deutsches Symbol. Die Verhältnisse waren vergleichbar. Jeanne d'Arc findet auch ein zerrissenens Frankreich vor, das Sie mit der Krönung Karls VII. zur Einigung vorbereitet. Eine solche Figur kann Schiller in seiner Tragödie unmöglich auf dem Scheiterhaufen sterben lassen. Ihr gebührt die Verherrlichung nach dem Tod auf dem Schlachtfeld. Was uns heute vielleicht pathetisch erscheint, war in einer Zeit, in der Napoleons Europa mit Krieg überzog, Realität.

Tragödie auf dem Papiertheater?

Die Frage, ob man Tragödie auf dem Papiertheater überhaupt spielen kann, haben wir mit unserer Inszenierung eindeutig positiv beantwortet, wir man der Presse entnehmen kann.Wir spielen das Stück in einer gekürzten Fassung von ca. 1. Stunde und zeigen damit, das es durchaus möglich, auch Klassiker mit den Mitteln des Papiertheaters in Szene zu setzten. Wegen der verhältnismäßig kurzen Spieldauer ist die Aufführung durchaus dazu geeignet, das Theaterstück Kindern und Jugendlichen zugänglich zu machen. Besonders geeignet auch als Ergänzung für den Deutsch- und Geschichtsunterricht in weiterführenden Schulen.

Die Handlung

1 Bild Die "Jungfrau" spielt im Frankreich des 15. Jahrhunderts. Tibaut d'Arc möchte seine jüngste Tochter Johanna verheiraten, da es ihm in einer zeit, in der der Krieg zwischen Engländern und Franzosen imm er näher rückt, wichtig ist seine Töchter versorgt zu wissen denn wer weiss, wer morgen und befiehlt. Aber Johanna ist in vielerlei Hinsicht anders ist als andere Menschen. Sie sucht die Einsamkeit, hat kein Interesse am Heiraten, hält aber eine flammende Rede zum Krieg. In einem Monolog nennt Johanna ihre Sendung: Sie erzählt von einem Auftrag  des Heiligen Geistes, gegen die Engländer in den Krieg zu ziehen. Johannas Vater hingegen sieht ihre Entwicklung kritisch: Die Geister an ihrem Aufenthaltsort unter dem „Druidenbaum“ verführten sie vermutlich zum Bösen, und sie selbst lasse es an christlicher Demut mangeln; sie wolle hoch hinaus, weil sie besonders schön sei.

2.Bild König Karl, der Dauphin von Frankreich, will aufgeben und fasst erst neue Hoffnung, als Johanna durch ihren ersten Sieg angekündigt wird. Durch ihr bloßes Auftreten habe sie im Lager der Kriegsgegner für Panik gesorgt. Vor dem König beweist Johanna ihre seherischen Fähigkeiten und gibt weitere Details ihrer Sendung preis. Sie erklärt, sie habe ihren Auftrag von der Mutter Gottes erhalten. Zwei Bedingungen sind mit dem Auftrag verknüpft: Sie muss alle Feinde töten, die sich ihr in der Schlacht entgegen stellen, und sie darf sich in keinen Mann verlieben. Am Königshof wird Johanna von allen spontan verehrt.

3.Bild  In der anschließenden Schlacht tötet Johanna ohne jedes Erbarmen einen englischen Soldaten namens  Talbot  Johanna begegnet einem mysteriösen „schwarzen Ritter“, der sie zum Abbruch ihrer Sendung bewegen will. Gleich darauf trifft sie auf Lionel. Johanna besiegt Lionel im Kampf, doch als sie ihm ins Gesicht sieht, verliebt sie sich sofort in ihn und Lionel sich auch in sie. Johanna ist sehr verwirrt. Schließlich muss Lionel flüchten, weil Graf Dunois und La Hire herankommen.

4.Bild Johanna glaubt ihren Auftrag durch ihr Liebesgefühl zu Lionel  verraten zu haben. Es gebe keine Rechtfertigung dafür, Montgomery und andere Briten getötet zu haben, Lionel aber nicht. Nur widerwillig und mit schlechtem Gewissen nimmt Johanna die Fahne der Jungfrau Maria an und nimmt an der Krönung Karls  in Reims teil. König Karl will der Jungfrau huldigen lassen, doch ihr Vater Thibaut kommt dazwischen und klagt sie öffentlich an, mit dem Teufel im Bunde zu sein. Mehrere Donnerschläge begleiten dieses „Gottesurteil“. Johanna schweigt zu den Vorwürfen ihres Vaters; daraufhin wird sie verbannt. Raimond begleitet sie in die Verbannung.

5. Aufzug: Johanna ist bei schwerem Gewitter mit Raimond im Wald unterwegs. Die Köhler, auf die sie trifft, halten sie für eine „Hexe“. Tatsächlich hat sich das Kriegsglück zu Gunsten der Engländer gewendet. Johanna jedoch beteuert Raimond gegenüber, nie schwarze Magie betrieben zu haben. Sie habe während des „Gottesurteils“ nur aus Gehorsam gegenüber dem himmlischen und dem leiblichen Vater und deshalb geschwiegen, weil sie Strafe verdient habe. Jetzt aber sei sie mit sich „im Reinen“ und werde alles akzeptieren, was Gott mit ihr vorhabe. Kurz darauf wird sie von Engländern gefangen, die von Königin Isabeau angeführt werden. Raimond benachrichtigt die Franzosen davon. Lionel will Johanna vor den eigenen Leuten schützen, die sie hängen sehen wollen. Johanna zeigt keine Liebe mehr zu Lionel. Dieser wird in die Schlacht gerufen und lässt Johanna bei Isabeau in einem Turm zurück. Die Engländer, so berichtet ein Beobachter, gewinnen an Boden. Daraufhin reißt Johanna sich auf wundersame Weise von ihren Ketten los, nachdem sie Gott kniefällig um Beistand gebeten hat, und wendet die Schlacht zugunsten der Franzosen. Dabei wird sie tödlich verwundet. Bevor sie stirbt, bekennen König Karl und Burgund  sich zu ihr und  sie wird verklärt. Am Schluss hält die tote Johanna die Fahne unter der sie zu Wohle Frankreichs kämpfte.

Kriegshaufen
Kriegshaufen auf der Papiertheaterbühne

Rezensionen aus den Festivalbericht Preetz

Die Jungfrau von Orleans
Im Schillerjahr durften natürlich Stücke des Jubilars auch auf dem Papiertheater nicht fehlen. Ich begann mit der „Jungfrau von Orléans“, auf einer stark vergrößerten Pollock-Bühne mit Schreiber’schen Dekorationen und Figurinen gespielt von „Don Giovanni, Käthchen & Co.“, sprich: Peter Schauerte-Lüke und Sabine Herder. Das war im Text klassischer, natürlich gekürzter Schiller, von beiden sehr gut und eindrucksvoll gestaltet. Die Dekorationen kennt man natürlich – aber man kann sie ja höchst unterschiedlich benutzen, und bei dieser Aufführung haben sie mich durch ihre tiefe Staffelung und sehr geschickte Ausleuchtung besonders angesprochen – ich erwähne nur ein faszinierendes Trugbild einer Hölle, den wunderschönen Marktplatz von Reims und das gelungene Palast-Innere im letzten Teil des Geschehens. Lobend hervorzuheben sind auch die mehrfachen lebhaften Kampfszenen mit teilweise beweglichen Gliedern. Gerade bei ihnen war auch der Soundtrack des Kampfgetöses gut integriert. Tröstlich dann die Apotheose mit dem Engelschor am Schluss: „Kurz ist der Schmerz, und ewig ist die Freude“ (Originalton Johanna). Insgesamt: Eine ausgesprochen gute Vorstellung.

Die Marbacher Zeitung schrieb....

Eindrucksvolles Theater im Miniaturformat

Marbach Im Papiertheater ist "Die Jungfrau von Orleans" aufgeführt worden. Von Cornelia Ohst

  In einer Welt, in der alles möglich scheint und in der Auge und Ohr von technischen Spezialeffekten geradezu überflutet werden, sucht der eine oder andere Theaterbesucher gern einmal die reduzierte Form der Unterhaltung. Geboten wurde diese am Samstag, als vor einem interessierten Publikum in der Marbacher Stadtbücherei das Papiertheater "Don Giovanni, Käthchen & Co.", die "Die Jungfrau von Orleans" spielte.

Ein auberginefarbener Samtvorhang umsäumt die papierene Bühne, abgedunkelte Fenster lassen den Regen draußen vergessen und warmes Licht erstrahlt. In dieser heimeligen Atmosphäre empfängt Peter Schauerte-Lüke, seine Besucher und erzählt, wie das Papiertheater einstmals entstanden ist. Aus dem Begehren bürgerlicher Schichten heraus, die, ähnlich wie der Adel, Lustbarkeiten und sinnliche Verzauberung erfahren wollten, war die Theaterform aus den damaligen Bilderbogen fortentwickelt worden. "Wo nicht aus Liebe geheiratet wurde, musste man Liebe und Romantik in spielerischer Form erleben", weiß der Gründer und Spieler eines Miniaturtheaters, das er vor über 20 Jahren ins Leben gerufen hat und seither eine Renaissance erlebt. Bei szenischer Einführung und einer Gesangseinlage gibt Peter Schauerte-Lüke eine Kostprobe seines Könnens, während er historische Fakten einstreut. Doch dann geht es schließlich los. Mit donnernder, säuselnder oder gewinnender Stimme lassen Schauerte-Lüke und seine Mitspielerin, Sabine Herder, die Protagonisten aus Schillers Drama, wie etwa die gottesfürchtige und kämpferische Jungfrau vor den Augen der Gäste aufleben.

Eine Tröte schreckt auf. Eindrucksvoll gesprochen, erreichen markante und in Ehrfurcht erregendem Sprachduktus verfasste Aussagen das Ohr des Zuschauers. " . . . muss jeder Zweifel irdischer Klugheit schweigen", lässt der Sprecher eine Figur sagen und den Besucher vergessen, dass es sich nur um einen kleinen, toten Papierdarsteller handelt, der ihn in eine fremde, verwirrende Welt entführt. Mit wirkungsvoll eingesetzten Ton- und Lichteffekten wird das muntere Spiel ergänzt und erzeugt eine Illusion, die heutzutage kaum vorstellbar ist, denkt man an sonstige, aufwendige Produktionen. Das Flackern des Lichts symbolisiert beispielsweise das Brennen der soldatischen Zeltstadt. Bedrohlich ist dies allemal in der Kombination von Schillers dramatischen Worten und der eindringlich-intensiven Vertonung, durch der Spieler Sprache. So entsteht mit den gemalten Pappfiguren und Tönen wie Donner, Pfiffe sowie Tonbandaufnahmen von Schalmeien oder Fanfaren ein Szenario, das ergreifend ist.

Mitunter suggeriert es dem Zuschauer sogar das Dabeisein auf einem menschenüberfüllten Marktplatz und einem Großaufgebot von Heer und Adel. Mühelos handelt das Papiertheater alle großen Gefühle und Verwirrungen der menschlichen Seele ab und lässt das Publikum mitleiden und zittern. Das wiederum ist begeistert und lässt sich nach der Vorstellung hinter der Bühne erklären, mit welchen Methoden die eindrucksvollen Effekte erzeugt wurden. Die ambitionierten Spieler und leidenschaftlichen Sammler von Papierfiguren, Peter Schauerte-Lüke und Sabine Herder, geben dazu bereitwillig Auskunft.

Burgtheater - Ein kulturelles Kleinod auf Reisen